Die Weltmeisterschaft in Ingolstadt endete mit zwei Überraschungen: dem Titelgewinn des Schweizer Geschwisterpaares Jade und Maurizio Mandorino vor den Titelverteidigern und Europameistern Olga Sbitneva und Ivan Ioudine. Für die Schweiz bedeutete dieser Titelgewinn die Rückkehr auf den WM-Thron nach mehr als 20 Jahren. Aus deutscher Sicht überraschend, jedoch höchst erfreulich, der dritte Platz von Meike Lameli und André di Giovanni. Ihr erklärtes Ziel, sich international nach über 1-jähriger Abstinenz wieder zurückzumelden, hatten die beiden Deutschen damit weit übertroffen. Und dies äußerst beeindruckend. Mit einem hervorragenden Zusammenspiel aus tänzerischem Können, lebendiger und phantasievoller Choreografie und mutigen Akrobatiken gelang ihnen dieser unerwartete Triumph. Ein Garant hierfür war sicherlich der zu Beginn ihrer Akrokür gezeigte Doppelsalto aus dem Bettarini, den beide perfekt ausführten und der ihnen die nötige Sicherheit für das restliche Programm gab. Schon ihm Kurzprogramm mit den geforderten 4 Akrobatiken Dulaine, Bettarini vorwärts gehockt, Einstieg Salto rückwärts gehockt und Einstieg Todessturz legten Meike Lameli und André di Giovanni den Grundstein für den späteren Erfolg. Platz 3 war gerechter Lohn für sauber und fehlerfrei ausgeführte Akrobatiken. Insbesondere der Dulaine stellte so manches Paar vor unüberwindbare Schwierigkeiten. Mit ihrer spritzigen und exakten Fußtechnikrunde, die beide an Position 2 beendeten, konnten sie ihre gute Ausgangsposition für das abschließende Akrobatikfinale festigen. Was ihnen, wie schon beschrieben, bestens gelang und ihnen auch für diese Runde Rang drei einbrachte. Damit gab es keine Diskussion über einen im Gesamtergebnis sicheren und hervorragenden dritten Platz bei dieser Weltmeisterschaft. Die Schweizer Jade und Maurizio Mandorino präsentierten sich gewohnt quirlig und dynamisch und konnten sowohl das Kurzprogramm als auch die Fußtechnikrunde für sich entscheiden. Damit war klar, dass ihnen bei einer fehlerfreien Akrobatikrunde der Titelgewinn wohl kaum mehr zu nehmen war. Olga Sbitneva und Ivan Ioudine überzeugten zwar mit einer an akrobatischen Schwierigkeiten nicht zu überbietenden Runde, ließen allerdings im Kurzprogramm und der Fußtechnik zu viele Federn, um das Rad noch herumreißen zu können. Sie agierten bei dieser WM ähnlich wie die viertplazierten Tschechen Sandra Chudomska und Vitezslav Horak, die in Genf zweiter der EM waren, zu verhalten, worunter oftmals ihre Ausstrahlung litt. Einen guten Eindruck hinterließ auch das polnische Paar Anna Miadzielich und Jacek Tarczyolo. Das erst seit einem Jahr zusammentanzende Paar machte in diesem Jahr bereits mehrfach auf sich aufmerksam. Der aus der Sportakrobatik kommenden Anna merkt man die Leichtigkeit und das Einfühlungsvermögen bei den geforderten Akrobatikelementen an. Hier präsentierte sich ein Paar mit einer guten Perspektive für die nächsten Jahre. Ähnliches gilt es es sicher auch zu berichten für Verena Rau und Andreas Heidler. Anfänglich nervös in das Turnier gestartet, konnten beide die angezogene Handbremse im rechten Moment lösen und überzeugten wie auch in Genf bei der EM mit einer tollen Akrobatikrunde. Das Paar, das sehr große Fortschritte in diesem Jahr gemacht hat, wird sicher 2008 aufhören lassen. Das Turnier beendeten beide zufrieden mit einem 11. Platz. Weniger zufrieden mit ihrem Ergebnis waren Nina Reppich und Achim Sorge. Platz 14 genügt ihren Ansprüchen nicht ganz. Beide sind in der Lage, mehr zu leisten. Ausgerechnet im Halbfinale patzten beide, was ihnen sicherlich eine bessere Platzierung verwehrt hat. Ob es ohne Patzer zum Finaleinzug gereicht hätte, bleibt dahingestellt. Ohne Doppelsalto ist das international sicherlich eine ganz schwere Aufgabe. Ein erstes Schnuppern auf internationalem Parkett bedeutete diese WM für Melanie Gleixner und Thomas Wahl. So gesehen herrschte bei ihnen und ihrem Trainerlager keine Unzufriedenheit über Platz 27. Wichtiger war, dabei gewesen und gut durchgekommen zu sein.
Sportlich erlebten die 2500 Zuschauer ein wahres Feuerwerk an Höchstleistungen in der Saturn-Arena in Ingolstadt. Den Rahmen für eine perfekte Veranstaltung mit einem überaus abwechslungsreichen Showprogramm hatte in bestbewährter Manier Nenad Skaricic mit seinem Team geschaffen.
Die 19 weltbesten Juniorenformationen trafen in der Saturn-Arena in Ingolstadt aufeinander, um ihren Weltmeister zu ermitteln. In einem von osteuropäischen Formationen dominierten Feld schafften es gleich drei Formationen aus Deutschland bis ins Finale. Damit war der DRBV die erfolgreichste Nation dieser Titelkämpfe.
Die Formation I aus Worms holte sich in einem hochklassigen Finale den Titel des Vizeweltmeisters. Abgerundet wurde das sehr positive Ergebnis durch die Baltic Rockets aus Flensburg auf Platz 5, die D’Anzing Stars auf Rang 7 und die Iserlohner Formation 2 Fast 4 U 2 an Position 8.
Bis auf die favorisierte slowakische Formation stand hinter allen anderen ein großes Fragezeichen. Doch bereits nach der Vorrunde zeichnete sich ein Bild ab, das sich im weiteren Turnierverlauf nicht mehr wesentlich ändern sollte. Hydrorock aus der Slowakei lag vor der Formation I aus Deutschland. Überraschend, dass insbesondere die hoch eingeschätzten russischen und ungarischen Formationen nicht in der Lage waren, dem tänzerischen Niveau der führenden Teams entsprechendes entgegenzuhalten. Die deutschen Juniorenformationen überzeugten in dieser für die Halbfinalqualifikation wichtigen Runde mit sauberen Linienführungen, einer nahezu perfekten Synchronisation und guter Fußtechnik. Auch die choreografische Umstellung von acht auf sechs Paaren, wie international gefordert, klappte problemlos. Ebenso wie die Anpassung an das international höhere Musiktempo.
Im Halbfinale bot sich den Zuschauern das bereits gewohnte Bild. Die besten Teams der Vorrunde präsentierten sich erneut mit einer überzeugend starken Leistung. Allerdings war einigen Formationen anzumerken, dass mit den Kräften schon für das bevorstehende Finale hausgehalten wurde. Dies nutzte überraschend das französische Team, um sich in der Gunst der Wertungsrichter vorübergehend an Position zwei zu schieben. Bei sieben Finalteilnehmern blieb der Iserlohner Formation mit Rang acht nach dem Halbfinale die Endrunde leider verwehrt.
Im Finale dieser Weltmeisterschaft der Juniorenformationen erlebten die 2500 Zuschauer in der Saturn-Arena dann deutsche Mannschaften, die voll konzentriert auf ihr Ziel fokussiert waren. Angefeuert von den deutschen Schlachtenbummlern in der Halle steigerte sich die Formation I zu einer Leistung, wie sie von ihr in dieser Saison noch nicht zu sehen war. Als erste Formation der Finalrunde setzten sie mit ihren atemberaubend schnellen tänzerischen Bildübergängen und einer fantastisch interpretierten, feurigen Choreografie eine sehr hohe Meßlatte. Nahezu perfekt gelangen die für die Wertungen wichtigen exakten Linienführungen. Und auch in der Synchronisation aller Tänzer und Tänzerinnen gaben sich die Wormser keine Blöße. Ebenso bejubelt und angefeuert präsentierten sich die Baltic Rockets mit einer sehr starken Finalleistung. Die Formation überzeugte mit sehr viel Esprit, einer großen Ausstrahlung und einer sehr kreativen Choreografie. Das Knistern im Publikum war förmlich zu spüren. Ähnlich phantasievoll und prickelnd auch das Programm der D’Anzing Stars. Sehr dynamisch und spritzig zeigte sich die Formation in dieser Finalrunde. Die Begeisterung bei Fans und Zuschauern war unüberhörbar. Nervös beobachteten die Teams die weiteren Finalteilnehmer. Und gespannt wurde das Urteil des Wertungsgerichts abgewartet. Kein Halten gab es dann bei der Bekanntgabe des zweiten Platzes für Worms. Vizeweltmeister 2007 – ein Traum ging für die jungen Tänzerinnen und Tänzer in Erfüllung. Überraschend Platz 3 für Italien und Platz 4 für die Tschechen. Viele hatten die Baltic Rockets mit auf dem Treppchen gesehen. Anerkennenden Beifall und viele Küsschen gab es von allen für die verdienten Weltmeister aus der Slowakei. Sie waren an diesem Tag einfach nicht zu packen.
Was noch bei der WM der Formationen der Main-Class in Karlsruhe für erhebliche Diskussionen gesorgt hatte, fand zum Glück in Ingolstadt keine Fortsetzung: hier siegte das tänzerische über das läuferische. So standen im Finale dieser WM überwiegend Formationen, deren erkennbare Philosophie es war, die choreografisch vielfältigen Bilder mit tänzerischen Mitteln zu verbinden. Und die deutschen Juniorenformationen zeigten eindrucksvoll, dass sie mit ihrer tänzerischen Ausbildung mit zu den weltbesten gehören.
Ergebnisse aus deutscher Sicht:
Rock'n'Roll Mainclass (29 Paare am Start)
| 1 | Maurizio Mandorino - Jade Mandorino | SUI |
| 2 | Ivan Ioudine - Olga Sbitneva | RUS |
| 3 | André Di Giovanni - Meike Lameli | GER |
| 11 | Andreas Heidler - Verena Rau | GER |
| 14 | Achim Sorge - Nina Reppich | GER |
| 27 | Thomas Wahl - Melanie Gleixner | GER |
Rock'n'Roll Formationen Jugend (19 Formationen am Start)
| 1 | Hydrorock | SVK |
| 2 | Rockin' Wormel Worms | GER |
| 3 | Academy dance | ITA |
| 5 | Baltic Rockets | GER |
| 7 | D Anzing Stars 1 | GER |
| 8 | 2 Fast 4 U 2 | GER |




































































